Brusio liegt geschützt am Sonnenhang mit einer für südlichere Gefilde typischen Vegetation wie Edelkastanien, wilde Kirschen, Weinreben, Apfel- und Kiwiplantagen. Nicht nur für Bahnfans ist der Kreisviadukt der Rhätischen Bahn bei Brusio ein besonderes Vergnügen, überwindet doch die spiralförmige Streckenführung über eine elegante Bogenbrücke einen erheblichen Höhenunterschied auf knapp begrenztem Raum.
Vom Zugfenster aus erspähen Neugierige mehrere für das Puschlav typische Steiniglus, genannt Crôt, die zur Kühlung von Milch und Milchprodukten lange gebräuchlich waren. Die herrschaftliche Casa Besta aus dem frühen 18. Jahrhundert beherbergt als ethnologisches Museum historisches Material zum Kaffeeschmuggel, zur Tabak- und Weinproduktion.
Viano ist ein schönes Dorf weit oben am Berg, nah an der italienischen Grenze und war Ausgangsort für den regen Kaffeeschmuggel nach Italien. Puschlaver Kaffeeröstereien belieferten seinerzeit italienische Schmugglerorganisationen tonnenweise mit Kaffeebohnen, die in voluminöse Jutesäcke verpackt über gebirgige Schleichwege ins Veltlin getragen wurden. Im Spitzenjahr 1970 waren es laut offizieller Schweizer Statistik 8371 Tonnen! Heutzutage wird schon lange kein Kaffee mehr geschmuggelt, aber die verschlungenen Pfade gibt es noch...
Auf der westlichen Talseite oberhalb von Brusio liegt der Weiler Cavajone, der sich an den steilen Südhang des Giümelin anschmiegt. Cavajone ist die jüngste Ortschaft der Schweiz: Dank der Grenzänderung zwischen der Schweiz und Italien von 1865 wurde Cavajone in die Gemeinde Brusio aufgenommen und 1873 erhielten ihre Bewohner das Schweizer Bürgerrecht.
Zuvor konnten sich die Einwohner von Cavajone oftmals der Steuer- und Militärpflicht entziehen, indem sie sich mit Bauernschläue zu dem jeweils anderen Land als zugehörig erklärten. Heute wird Cavajone kaum noch das ganze Jahr über bewohnt, trotz des prächtigen Ausblicks ins Veltlin und auf das Adamello-Massiv.
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